Das Farbenrezeptbuch des Malers Brynolf Wennerberg

Schatz im Nachlass des Künstlers

In die Hände gelegt wird uns eines jener seltenen Malerbücher mit Aufzeichnungen eines Künstlers, der geeignetes Farbmaterial mit experimentellem Nachdruck sucht. Brynolf Wennerberg möchte für sein Kunstschaffen eine eigene Ausdrucksform finden und benötigt hierzu eine Maltechnik, die ihm Mittel an die Hand gibt seine Ziele zu erreichen.

Die Aufzeichnungen des Malers Wennerberg bauen sich in der zeitlichen Abfolge der Einträge auf und beginnen um 1918. Das Büchlein wird bis etwa 1940 in Gebrauch gewesen sein. Wennerberg schreibt alles auf, was ihm für seine Arbeit wichtig erscheint. So berichtet er über einzelne Versuche, ganze Reihen an Experimenten, verbindet diese Erkenntnisse mit Kommentaren und gibt teilweise Bilder an, bei denen er die ein oder andere Farbmischung angewandt hat. Rezepte, Titel von Malereien oder Skizzen und kleine Rechnungen finden sich auf den Seiten säuberlich untereinander gesetzt. Die Rezeptreihen erschließen sich dem Leser rasch und die kurzen Kommentare erleichterten einst ihm selbst, nun dem Kunsttechniker, seine experimentellen Fortschritte einzuordnen. Textpassagen wie aus einem akribisch geführten Apothekerhandbuch lösen sich mit Seiten ab, die mehrfach durchgestrichen und überarbeitet sind. Das Suchen wird so spürbar.

Den Großteil der Niederschriften bilden Einzelmischungen für Farben, die ihn in seiner täglichen Arbeit begleiten, die großen Rezeptintervalle, die Brynolf Wennerberg auch durch Nummerierungen oder Buchstabenfolgen kennzeichnet, bilden aber das Herz. Nicht jeder Ansatz findet gefallen, oftmals mit einem kurzen Zusatz wie „zu hell“, „etwas zu dunkel“ oder „scheidet aus“ versehen, lassen sich die Ergebnisse erahnen.

Der Schreiber des Rezeptbuches ist ein Protagonist, der sich mit viel Verve der Aufgabe annimmt Farbmischungen zu erarbeiten und auszuprobieren. Bewundernswert ist die Detailgenauigkeit mit der Brynolf Wennerberg seine Rezepturen beschreibt, weiterentwickelt und beurteilt. Eine solche Fülle ist mit Sicherheit so zusammengefasst in einem Künstlerbüchlein nicht häufig zu finden und die Anzahl der Rezepte und ihre Abwandlungen dürften einmalig sein.