Gemälde

Atelier, Landschaft, Portrait

Bald nach seiner Ankunft im Jahre 1915 mietet Brynolf Wennerberg das ehemalige Atelier von Wilhelm Leibl in Bad Aibling an. Eine kleine Themengruppe seiner Gemälde schildert sein Ateliergebäude im Sonnenlicht sowie den umgebenden Obstgarten im jahreszeitlichen Wechsel. Draußen vor der Tür werden Scheune und Stallung in impressionistischer Manier gemalt. Eine Allee führt in die Landschaft, die zur Heimat wird, und eine Wiese fordert zum Bleiben auf. Die Formate seiner Gemälde sind klein, und die Bilder wirken intim.

Unzählige kleine „Köpfl“ – so der landläufige Ausdruck in Wennerbergs neuer Heimat – haben sich als Porträtstudien bis heute erhalten. Es gelingt Wennerberg vorzüglich, das Charakteristische eines Menschen eindrucksvoll heiter oder auch besinnlich wiederzugeben. Dabei kann der soziale Hintergrund durch den Spitzenkragen eines Kleides, einen Hut oder andere Accessoires unterstrichen werden. Wennerbergs Kinderbilder sind von ungetrübter Fröhlichkeit, ob es sich nun um einen verschmitzt lächelnden Jungen oder um den „süßen Fratz“ von der Fraueninsel handelt.

Der See

Die malerische Bandbreite Wennerbergs reicht von der Personendarstellung bis zur reinen Landschaftsdarstellung. Die neue Heimat, der bayerische Chiemsee mit seinen Inseln, seinem morgendlichen Licht und abendlichen Beleuchtung, reizt den Künstler. Allerdings sind diese jahreszeitlichen Landschaftsgemälde selten, denn meist stellt der See mit seinem angrenzenden Ufer nur den Hintergrund, eine Art Bühnenbild, dar, vor dem junge Frauen agieren, Kinder angeln oder auch Soldaten ihren kurzen Urlaub verleben.

Akte

Eine kleine doch feine Werkgruppe im Schaffen des Malers stellen die weiblichen Akte am Wasser dar. Oft sind sie frontal ins Bild gesetzt und erinnern dann entfernt an Arbeiten des Schweden Anders Zorn, den der Künstler verehrte. Selbstbewusst stehen die Frauen mit schimmernder Haut am Rande des Ufers, neigen sich zu ihrem Spiegelbild oder waten in den See hinein. Manchmal lugt neugierig ein kleiner Faun aus dem grünen Gebüsch. Hier wird Kunstgeschichte zitiert, eine kleine Anspielung reicht, um den Betrachter an Bilder Arnold Böcklins zu erinnern. Diese skizzenhaften Gemälde sind nicht als Vorlagen für Illustrationen gedacht, denn Akte waren für die Zeitschriften damals noch tabu. Es sind Kunstwerke, die über den Realismus einer solchen Szene hinausgehen und einen mythischen Ansatz haben.

Columbine und Pierrot

Zu den begehrtesten Gemälden Wennerbergs zählen heute die Karnevals- und Zirkusbilder, in denen eine Tänzerin in der Gestalt der Columbine und ihr Begleiter Pierrot in allerlei Verkleidungen auftreten. Wennerbergs Columbine ist eine Tänzerin, die ihren Pierrot am Eingang eines Ballsaals, am Treppenaufgang oder im bewegten Tanz trifft; manchmal reitet sie auf hohem Ross in ein Zirkusrund ein. Die Grazie ihrer Haltung, ihre mitreißende Stimmung strahlen Temperament und Lust am Leben aus. Ihre Drehungen im flatternden und fliegenden Ballkleid, im kurzen Röckchen einer Zirkusreiterin ziehen die Blicke der Zuschauer auf schlanke Beine, verführerische Ausschnitte oder tiefe Rücken. Dunkle Schönheiten sind in spanischem Gewand zu finden, rassige Frauen mit knabenhaft gescheiteltem Haar – vergleichbar einer Josephine Baker – heben stolz den Kopf. Man meint, Nähe und Ferne dieser fremden Frauen zu spüren und ihren Duft einzuatmen. Die Verführung bleibt jedoch dezent und kultiviert. Die Begegnung der beiden Akteure, Columbine und Pierrot, wird gleichsam in einer Momentaufnahme festgehalten. Ihr Partner, der weißgepuderte Pierrot, wirkt dagegen verhaltener und stiller. Wennerbergs Lieblingsfiguren Columbine und Pierrot sind einzigartige Neuschöpfungen im Werk des Künstlers Brynolf Wennerberg, die ihn damit zu einer singulären Erscheinung in der Malerei der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts werden lassen.