Brynolf Wennerberg 1866-1950

Kindheit und Jugend - Otterstad (SW)

Brynolf Wennerberg kommt 1866 in Otterstad am Südufer des Vänersees auf die Welt. Er wächst inmitten einer ländlichen, begüterten Adelsgesellschaft auf. Sein Vater, ein akademischer Maler und gleichzeitig Gestütsbesitzer, führt ein den Künsten aufgeschlossenes Haus. Das harmonische Familienleben wird von Brynolfs zwei Schwestern und vier Stiefgeschwistern aus zweiter Ehe des Vaters geprägt.

Studium - Stockholm (SW) und Kopenhagen (DK)

1885 geht der junge Wennerberg an die Kunstgewerbeschule in Stockholm, um ein Jahr später auf der Kunstnernes Frie Studieskoler (die freien Studienschulen der Künstler) in Kopenhagen bei Peder Severin Krøyer (1851–1909) zu studieren. Dieser hat damals wie heute als international angesehener Kolorist und Freilichtmaler einen hervorragenden Ruf. Allgemein sorgten die skandinavischen Künstler in den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts für erhebliches Aufsehen.

Leipzig

Auch Brynolf Wennerberg sucht seinen Erfolg in Deutschland und arbeitet als Zeichner zunächst in Leipzig. Die Stadt kam als Zentrum des Buchdrucks besondere Bedeutung zu. Sie war seit 1825 ein Drehpunkt des Verlagswesens und bot somit für Grafiker ideale Arbeitsmöglichkeiten. 1889 heiratet der Künstler Helene Pauline Hermann in Leipzig. In den folgenden Jahren kommen seine zwei Töchter, Astrid und Ellen, zur Welt. Seit 1896 arbeitet der Künstler an illustrierten Notentiteln, die sich heute im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg befinden.

Fürstenfeldbruck und München

Zu Beginn des Jahres 1900 zieht die Familie nach München. Ab 1901 lebt man im Villenvorort Emmering bei Fürstenfeldbruck, wo 1902 die dritte Tochter Charlotte zur Welt kommt. Sowohl Emmering als auch Fürstenfeldbruck sind zu jener Zeit für die Münchner Gesellschaft als Erholungsgebiete und als neues Wohnareal äußerst attraktiv. Die Familie Wennerberg wohnt bis 1905 in Emmering zur Miete. Danach zieht sie in die Schwanthalerstraße nach München. Am 5. März 1908 mietet sich Brynolf Wennerberg ein eigenes Atelier in der Hermann-Schmid-Straße in München an.
Scheinbar lässt sich alles recht gut an, doch seine zweite Tochter Ellen leidet an Tuberkulose. Am 2. Januar 1911 stirbt sie mit sechzehn Jahren. Helene Wennerberg kann sich von dem Schicksalsschlag nicht erholen. Die Ehe zerbricht im folgenden Jahr. Am 6. März 1912 findet auch ihr Leben ein jähes Ende.

Sandown, Isle of Wight (GB) und Paris (FR)

Schon im Jahr 1911 hat Brynolf Wennerberg die Absicht geäußert, für eine Zeitlang nach Paris zu gehen. Doch erst nach dem Tod seiner Frau entschließt er sich, München zu verlassen. Allerdings geht er nicht nach Frankreich, sondern reist mit der Witwe Anny von Reznicek, die er in England heiratet, und seiner jüngsten Tochter Charlotte am 22. April 1912 auf die Isle of Wight. Seine älteste Tochter Astrid folgt kurz darauf. Sie wird später sein wichtigstes Modell werden. Die Abmeldung in München erfolgt am 1. Juli 1912, wie aus den Archivalien zu ersehen ist. Im gleichen Jahr erhält Wennerberg zusammen mit seinen beiden Töchtern Astrid und Lotte die bayerische Staatsbürgerschaft.
Ab dem 9. Oktober 1912 lebt die neue Familie dann in Paris, anfangs in einer Pension. Eine Wohnung und ein zusätzliches Atelier werden angemietet und großzügig renoviert. Man genießt die Annehmlichkeiten der französischen Großstadt, wie die Besuche des „Kinomatographen“, des Varietés und auch der Folies Bergère. Im November bezieht die Familie die neue Wohnung in der Rue St. Dominique 118.
Wie viele andere Künstler wird auch Brynolf Wennerberg 1914 vom Ausbruch des Ersten Weltkrieges im Ausland überrascht. Die Familie befindet sich gerade im Schweizer Sommerquartier in Glarisegg, fernab von ihrer Wohnung in Paris. Eine Rückkehr nach Frankreich ist nicht mehr möglich. Die Einrichtung und alle künstlerischen Unterlagen gehen in Paris verloren.

Bad Aibling

Ab 1915 lebt Brynolf Wennerberg mit seiner Familie in der oberbayerischen Stadt Bad Aibling in der Villa Mina am Kurpark. Für seine Arbeit mietet er das ehemalige Atelier von Wilhelm Leibl an. Jetzt erst widmet er sich der Malerei. 1950 ist Brynolf Wennerberg in Bad Aibling gestorben.

Warum gerade Bad Aibling gewählt wird, ist nicht zu erfahren. Doch liegt die Vermutung nahe, dass die dortigen Rheumakuren ausschlaggebend für die Entscheidung waren. In einem Brief an seine Verwandten in Schweden berichtet er: „[...] Hier habe ich das Atelier, das der große Maler Wilh. Leibl für sich gebaut hatte, als er in Aibling lebte. Es ist aber sehr klein, denn der jetzige Besitzer hat ein Theil davon als Gänsestall eingerichtet; liegt aber sehr idyllisch und ruhig ganz im Grünen in der Nähe von einem großen Kuhstall mit Misthaufen [...]“. Der Künstler lebt sich in Bad Aibling schnell ein.